Samstag, 30. Mai 2026 von Thomas Stemmler
JWM: Zwischen Familienfreundlichkeit und Arbeitsrealität
Unplanbare Dienstzeiten belasten Familien und Gesundheit
Das Justizministerium Baden-Württemberg verweist auf Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Im Justizwachtmeisterdienst zeigt sich jedoch zunehmend eine andere Realität: unplanbare Dienstzeiten, lange Sitzungstage, hohe Sicherheitsanforderungen und eine wachsende Belastung für Beschäftigte und ihre Familien. Die DJG-BW sieht hier dringenden Handlungsbedarf, damit Fürsorgepflicht, Gesundheitsschutz und verlässliche Arbeitszeitgestaltung nicht nur Anspruch bleiben, sondern im Arbeitsalltag tatsächlich ankommen.
Unplanbare Dienstzeiten belasten Familien und Gesundheit
Gerichtliche Hauptverhandlungen beginnen immer häufiger erst am späten Vormittag oder Nachmittag. Da Justizwachtmeisterinnen und Justizwachtmeister bis zum Sitzungsende und darüber hinaus im Dienst bleiben müssen, verschiebt sich das Dienstende regelmäßig unvorhersehbar in die Abendstunden. Hinzu kommen lange Anfahrtswege, frühzeitige Sicherheitsmaßnahmen, Einlasskontrollen, Gefangenenannahme und Bewachungsaufgaben. Für die Beschäftigten bedeutet dies eine kaum planbare Arbeitszeit, die Familienleben, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und private Verpflichtungen erheblich erschwert.
Sicherheitslage verschärft die Belastung
Die Belastung wird zusätzlich durch strukturelle Probleme in vielen Gerichtsgebäuden verschärft. Fehlende Hafträume, Verfahren mit mehreren Inhaftierten und erhöhte Sicherheitsrisiken führen dazu, dass Beschäftigte im Justizwachtmeisterdienst dauerhaft unter hohem physischen und psychischen Druck arbeiten. Wenn bei langen Verhandlungstagen notwendige Pausen kaum noch gewährleistet werden können, ist dies nicht nur ein organisatorisches Problem, sondern eine Frage des Gesundheitsschutzes und der Fürsorgepflicht des Dienstherrn.
Familienfreundlichkeit darf kein Schlagwort bleiben
Für viele Familien ist es heute wirtschaftlich notwendig, dass beide Partner berufstätig sind. Unvorhersehbare Dienstzeiten treffen deshalb nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern auch deren Angehörige. Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt und weitere Sorgearbeit bleiben häufig an den Partnerinnen und Partnern hängen. In Zeiten von Lehrermangel, Pflegenotstand und steigenden Anforderungen an Familien verschärft ein unplanbares Arbeitszeitmodell die ohnehin angespannte Lebensrealität vieler Justizbeschäftigter zusätzlich.
DJG-BW fordert verlässliche Lösungen
Die DJG-BW fordert ein klares Umdenken. Gerichtliche Terminplanung muss stärker Rücksicht auf die soziale Situation des Personals nehmen. Verhandlungen sollten, soweit möglich, so angesetzt werden, dass sie innerhalb verlässlicher Arbeitszeiten bewältigt werden können. Zugleich braucht es eine ausreichende Personalaufstockung, damit Schichtmodelle mit echter Planungssicherheit umgesetzt werden können. Familienfreundlichkeit darf nicht nur nach außen kommuniziert werden, sondern muss im Dienstalltag spürbar sein.
Ausblick auf die Mitgliederzeitschrift
Die vollständige Einordnung mit weiteren Hintergründen, Beispielen aus der Praxis und den gewerkschaftlichen Forderungen der DJG-BW erscheint in der kommenden Mitgliederzeitschrift. Dort wird ausführlich dargestellt, warum das derzeitige Arbeitszeitmodell im Justizwachtmeisterdienst für Familien, Gesundheit und soziale Teilhabe zunehmend zur Belastungsprobe wird.
Thomas Stemmler
stv. Vorsitzender
FB Justizwachtmeister
